Autorin Bei Der Atmetherapie

KSTA Magazin: Richtig atmen hilft den Kopf zu reinigen

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Richtig atmen hilft den Kopf zu reinigen

 

Dass Luftholen mehr ist als ein lebenserhaltender Automatismus, hat unsere Autorin am eigenen Leib erfahren.

Der Grüne Tee dampft auf dem Schreibtisch vor dem Fenster, im Körbchen in der Ecke warten dicke Wollsocken, zwei Stühle stehen sich in der Mitte des Raumes gegenüber, neben einem steht eine Packung mit Taschentüchern. Die hohen Fenster lassen das Tageslicht in den Raum mit der hohen Stuckdecke. Veruschka Vennebuschs „Behandlungsraum“ in ihrer Wohnung in der Kölner Südstadt wirkt angenehm  aufgeräumt. Der Blick wird nicht abgelenkt, höchstens von den Büchern in der bis unter die Decke reichenden Regalwand.

„Die Atemtherapie ist keine Therapie im üblichen Sinne. Ich gehe nicht davon aus, dass dem Klienten etwas fehlt. Es geht vielmehr darum, die eigenen Ressourcen zu aktivieren, um sich selbst zu heilen“, so Vennebusch. Wer weiß, was sich da so alles findet, denke ich und schließe in gespannter Erwartung die Augen – meine Beine sind rechtwinklig aufgestellt, die Füße plan auf dem Boden, Hände auf den Knien. So sitzt doch kein Mensch, schwirrt mir noch durch den Kopf, aber schon geht’s los. Die sanfte Stimme der Therapeutin nimmt mich an die Hand.

„Spüre deinen Atem. . . lass die Gedanken kommen und gehen. . . halte sie nicht fest. . . sie sind wie Wolken am Himmel. . . sowieso da. . . halte sie nicht fest, lass sie zu und bewerte sie nicht. . .“ Tatsächlich gelingt es mir nicht, komplett abzuschalten, die Gedanken schweifen, am Anfang gibt es gar eine Paniksekunde. Von 1000 Alltagsumdrehungen auf 0 zu reduzieren, das halte ich nicht aus. Ich muss doch noch das und das und das. . . Vennebuschs sanfte Stimme fängt mich wieder ein. „Spüre, wie dein Atem die Nase verlässt und die Oberlippe streift. . . Jetzt mal tief in den Bauch atmen. . . wie ein Kind. . . die Rippen weiten sich. . . Der Atem wird verbunden. . . “ Die Atmung soll fließen, die ruckartige Flachatmung, wie ich sie im Alltag oft praktiziere, ist tabu, aber ich kann mich nur schwer davon lösen. Einfach atmen ist gar nicht leicht. Das ist wie mit dem Wohnen. Wann tut man das schon, einfach so?

„Anstrengend“, sage ich dann auch auf die Frage, wie sich das anfühlt. „Nimm die Anstrengung an, umarme sie wie ein weinendes Kind, versuche nicht, sie wegzumachen“, begleitet mich die Stimme weiter und in der Tat, ich fühle mich bald besser. Vielleicht weil ich an meinen kleinen Sohn denken muss.

„Liebevolles Wohlwollen ist ein Kerngedanke bei der Atemtherapie“, klärt mich Vennebusch auf, als ich die Augen nach 50 Minuten öffne. Widerwillig, denn das Nicht-Hinsehen, Nicht-Reagieren müssen tat gut. Der Alltag tritt trotz unaufhaltsamen Gedanken in den Hintergrund, das Atmen wird zum Selbstzweck. Irgendwie habe ich das zum Schluss ganz gut hinbekommen – und genossen.

„Atmen ist wie Surfen“, sagt Beate Korioth, Yoga-Lehrerin aus Köln und wie Vennebusch Atemtherapeutin. „Die Basis beimYoga ist Atmen“, sagt sie, „das reine Atmen führt zu noch tieferer Entspannung.“ Diese Art der Meditation helfe, sich Klarheit zu verschaffen und den Geist zu reinigen – das Ziel aller fernöstlich inspirierten Meditationen, aus denen sich die Atemtherapie speist. Die nehmen Angst- oder Schmerzpatienten in Anspruch, aber auch Asthmatiker – als Ergänzung zur medikamentösen oder psychologischen Behandlung.

„Man lernt, den Schmerz anzunehmen, wohlwollend, nicht wütend“, sagt Vennebusch, die selber oft mit Nackenschmerzen zu tun hatte. Aber auch Menschen, denen es gut geht, wollen richtig Atmen lernen. „Wie beim Yoga, kommt das Denken dabei zur Ruhe“, sagt Korioth. „Wir waschen uns ja auch die Hände, weshalb nicht auch regelmäßig den Kopf?“ Das, was in der Atemtherapie gelernt wird, soll im Alltag zum Tragen kommen.

Einfach mal innehalten, sich auf das Atmen konzentrieren, das könne helfen mit Stresssituationen im Job, zu Hause oder an der Supermarktkasse besser klar zukommen. Innehalten, atmen.

Der Umgang mit Stress ist etwas, was derzeit großen Anklang findet. Monika Heiligtag von der Volkshochschule Köln kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. „Gerade Yoga und Qigong erfreuen sich großer Beliebtheit. War vor zehn bis 20 Jahren noch Autogenes Training angesagt, empfehlen auch Ärzte immer häufiger fernöstliche Entspannungstechniken“ – das hat Heiligtag in der Praxis beobachtet.

Welche Art der Entspannung für den einzelnen tatsächlich richtig ist, versucht Monika Heiligtag in Einzelgesprächen herauszufinden. „Was für die beste Freundin funktioniert, muss noch lange nicht für mich gelten“, sagt sie – denn: „Entspannung ist Typsache.“

Von Lioba Lepping

"WORT & FORT" - das Spiel der Magazin-Redaktion

 

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Eva Strünker

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Sabine.Schmitz

    Als Astmatikerin und Anti-Diät-Club Mitglied sowie auch fitmio Teilnehmerin, betreibe ich auch Reha-Lungensport und seit 20 Jahren Yoga, nun auch Pilates. Daher war der Artikel über die Atemtherapie sehr informativ. Leider zahlt die Krankenkasse dies nicht, auch nicht anteilig, sodass ich aus finanziellen Grunden noch keine Atemtherapie machen konnte.

  2. Richard

    Atemübungen sind unheimlich wichtig. Vor allem vor wichtigen Terminen oder allgemein, wenn man etwas nervös ist, helfen sie einem. Ich führe sie vor jedem Bewerbungsprogramm durch. Danach und währenddessen bin ihc super entspannt und kann mich voll auf die Bewerbung konzentrieren. 🙂

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